Gegen ein solches Unglück gibt es keine Versicherung


Gert-Axel Reuß ist sehr nachdenklich. „Als ich die Bilder von der brennenden Kathedrale Notre-Dame im Fernsehen gesehen habe, dachte ich mir: So muss es ausgesehen haben, als auch unser Dom brannte.“ Das ist glücklicherweise schon 126 Jahre her.

Im Sommer 1893 schlug bei einem Gewitter der Blitz ins Dach des Gotteshauses und ließ das Holzgestühl abbrennen. Vom Unglück selbst gibt es kein Foto, wohl aber vom Zustand des lädierten Domes danach, aufgenommen von Edvard Lassen. Pfiffige „Vermarkter“ ließen die Fotografie anschließend kolorieren und mit handgemalten Flammen spektakulär aussehen.

Wie schnell solch eine Brandkatastrophe sich entwickeln kann, dessen ist sich Reuß wohl bewusst. Denn wie auch die Pariser Kirche wird sein Dom gerade restauriert. Beide Häuser sind übrigens fast gleich alt. Heinrich der Löwe ließ seinen Bau 1160 beginnen, Ludwig VII. folgte mit der Kathedrale drei Jahre später. Dafür dauerte die Vollendung auch länger: In Ratzeburg weihte man den Dom 1220 ein, Paris feierte erst 1334.

Der Turm des Ratzeburger Doms hat gerade neue Kupferplatten erhalten. Bei den Arbeiten wurden allerdings weitere, gravierende Schäden am Mauerwerk festgestellt, sodass die Sanierung aufwendig ist und sicher noch das ganze Jahr über dauern wird.

„Man kann sich auf solch ein Unglück kaum vorbereiten“, sagt Reuß. Überall, wo mit Wärme gearbeitet werde, schweißen oder löten, bestünde die Gefahr eines Brandes. Immerhin wurden die Kupferplatten seines Wissens nach nur gefalzt und zusammengedrückt. „Aber eine 100-prozentige Sicherheit gibt es eben nicht.“

Joachim Strunk



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