Happy End: Versicherung entschuldigt sich bei Zuger Barbetreiber


Gastronomen mussten aufgrund der Corona-Einschränkungen jede Möglichkeit nutzen, Gäste zu bedienen. Der Betreiber des Plaza am Postplatz bewies Kreativität: Bei Regenwetter verschob er abends flugs Tische und Stühle in die Arkade entlang der Bahnhofstrasse. So konnte er wenigstens einen Teil seines grossen Aussenbereichs ins Trockene holen und seine Mitarbeitenden teilweise weiterbeschäftigen. Weder die Stadtbehörden noch die Hauseigentümer störten sich an der Praxis. Doch dann zog die Groupe Mutuel in die ehemaligen Räumlichkeiten des Modegeschäfts Companys ein und verbot kurzerhand die Bewirtung vor ihrer Geschäftsstelle.

Der Hilfeschrei der Barbetreiber in den sozialen Medien klang dramatisch: «Es ist schon fast traurig, dass uns die Aussenbestuhlung für drei bis vier Stunden am Abend bei Regenwetter auf dieser Passage von unseren neuen Nachbarn verboten wird», war im Instagram-Account zu lesen. «In dieser schwierigen Phase für die Gastronomie darf man wohl ein wenig Rücksichtnahme erwarten.» Für die Kundschaft der Versicherung brachte man wenig Verständnis auf und wollte diese lieber gar nicht mehr zu den Gästen zählen.

Einvernehmliche Lösung gefunden

Inzwischen haben sich die beiden Parteien versöhnt. Die Tische in der Arkade werden wieder toleriert, dafür hat das Plaza die Veröffentlichung auf den sozialen Medien zurückgezogen. Die Versicherung spricht von einem anfänglichen Missverständnis und bedauert dies sehr. Anibal Martin, Leiter Vertrieb Deutschschweiz, entschuldigt sich in aller Form dafür. Als verantwortliche Person der Versicherung hatte er das Gespräch gesucht und sich mit dem Plaza-Geschäftsführer zusammengesetzt.

«Wir haben eine Win-Win-Lösung für beide Seiten gefunden», sagt Anibal Martin und dies sei auf eine sehr positive Art und Weise geschehen. «Nun ist gewährleistet, dass das Plaza seine Gäste gut empfangen und bedienen kann und gleichzeitig der Zugang zu unserer Agentur gut möglich ist.»

«Wir hatten ein Missverständnis mit dem Plaza, das bedauern wir sehr. Das Wichtigste war, eine Win-Win-Lösung zu finden.»

Anibal Martin, Leiter Vertrieb Deutschschweiz, Groupe Mutuel

Die Versicherung freut sich nun auf eine erfolgreiche Nachbarschaft, was immer das Ziel gewesen sei. «Bei unserem Tag der offenen Tür werden wir mit dem Plaza zusammenarbeiten», so Anibal Martin weiter. Auch der Betreiber der Plaza-Bar scheint mit dem gefundenen Arrangement mit der Groupe Mutuel zufrieden zu sein. Gegenüber zentralplus wollte er sich nicht mehr weiter zur Affäre äussern.

Vorteilhaft für Versicherte

Nicht erst aufgrund der Nachbarschaftsgeschichte fragen sich allerdings viele, was eine Versicherungsagentur überhaupt im Ladenmix einer Einkaufszone soll (zentralplus berichtete).

Für die Groupe Mutuel war bei der Standortwahl die Sichtbarkeit, die Passantenfrequenz und die unkomplizierte Erreichbarkeit sowohl zu Fuss als auch mit dem Auto ausschlaggebend, nicht jedoch die Nähe zur Gastronomie.

«Gemäss unserer Erfahrung erwarten wir rund 7‘000 bis 10‘000 Besuche im Jahr von unseren Versicherten in der Agentur Zug», sagt Mutuel-Sprecher Serkan Isik. «Wir machen komplexe Beratungen, bei denen die physische Präsenz wichtig ist.» Von Vorteil sei zudem einen Standort im Parterre zu haben, der auch für weniger mobile Versicherte leicht zugänglich sei.

«Es ist uns ein grosses Anliegen, noch besser erreichbar zu sein und das Kundenerlebnis noch attraktiver zu gestalten.»

Serkan Isik, Sprecher Groupe Mutuel.

Was die Agentur für Nichtkunden und für die Steigerung der Attraktivität der Zuger Bahnhofstrasse bringt, lässt die Groupe Mutuel offen. Immerhin können die Zugerinnen und Zuger vor den Türen der Versicherung weiter ihre Drinks geniessen.

Plaza Bar/Restaurant am Abend: Dank Bewirtung in der Arkade auch bei Regen ein beliebter Treffpunkt.



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