Kreditwürdigkeit als Indikator für Schadensrisiko?


Versicherungen sind eine gute Sache. Man stelle sich vor, wie vorsichtig man im Alltag agieren müsste, wenn eine Unachtsamkeit aufgrund möglicher Folgekosten den Ruin bedeuten könnte. Versicherungen erlauben es, Vorsorge für unvorhergesehene und unerfreuliche Ereignisse zu treffen und Schadenssummen zu regulieren, die das Vermögen eines Individuums überschreiten. Dieser Komfort hat einen Preis, der unterschiedlich festgelegt werden kann.

Wenn man Versicherung als ein Instrument der Kollektivierung von Risiken, also als eine Solidargemeinschaft versteht, dann können entweder alle den gleichen Beitrag zahlen, oder es wird ein vom Risiko unabhängiger Maßstab, zum Beispiel das Einkommen, zugrunde gelegt. In beiden Fällen zahlen jene Versicherten, die von Schäden verschont bleiben, für die anderen mit.

Verhältnis von Risiko und Prämie

Wenn die Versicherung hingegen einer profitorientierten Logik folgt, hängen die Prämien vom Schadensrisiko des Versicherten ab, damit die Versicherung kostendeckende, aber attraktive Bedingungen anbieten kann. Für eine KfZ-Versicherung bezahlt man abhängig von der Kilometerleistung, da mit dieser das Unfallrisiko steigt. Mit dem Verhältnis von Risiko und Prämie beschäftigt sich die Versicherungsmathematik. Neben demographischen Merkmalen können individuelle Risikofaktoren und die Schadensgeschichte berücksichtigt werden; in jüngster Zeit wird auch mit detaillierten Verhaltensdaten experimentiert, zum Beispiel bei den neuen Telematik-Tarifen der Versicherungen.

Mit einem insbesondere in den Vereinigten Staaten genutzten versicherungsmathemischen Modell beschäftigt sich eine Studie der Soziologin Barbara Kiviat von der Stanford University. Dort wird das Risiko von Schadensleistungen für Autounfälle unter anderem anhand der „credit scores“ der Versicherungsnehmer vorhergesagt. Kiviat rekonstruiert die Debatten zwischen Versicherungsfirmen und Regulierungsbehörden über diese erfolgreiche, aber umstrittene Methode.

Die Kreditwürdigkeit von Personen, die mit Hilfe eines „credit scores“ in einer standardisierten Maßzahl ausgedrückt wird, kann bei Datenanbietern abgefragt werden (in Deutschland zum Beispiel bei der Schufa). Sie wird nicht nur bei Entscheidungen über Bankkredite herangezogen, sondern beispielsweise auch beim Kauf auf Rechnung oder vor dem Abschluss eines Mietvertrags. Die breite Verfügbarkeit dieser Daten macht sie für Versicherungsunternehmen interessant. Aber warum sollte die Kreditwürdigkeit eine Prognose über zukünftige Unfälle erlauben?



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