Tierpension-Inhaberin: Ich falle durch alle Raster | Freie Presse


Mechelgrün.

Kerstin Queck könnte sich eigentlich glücklich schätzen. Trotz des landesweiten Lockdowns darf die Unternehmerin ihr Geschäft weiterbetreiben. Doch die 55-Jährige kann dem nichts abgewinnen. “Was habe ich schon davon?” fragt sie.

Kerstin Queck ist Solo-Selbständige und betreibt auf einem ehemaligen Drei-Seiten-Hof in Mechelgrün ein Katzenhotel. Das Geschäft ist simpel: Katzenbesitzer können ihr Haustier zeitweise in Pflege geben, wenn sie selbst verreisen. Kerstin Queck kümmert sich dann um die Tiere.

Vom landesweiten Lockdown ist das Katzenhotel nicht betroffen. In den Verfügungen des Freistaats finden sich keine Hinweise auf Tierpensionen. Das Geschäft ist geöffnet, doch Geld verdient Kerstin Queck derzeit dennoch nicht. Weil kaum noch jemand verreisen darf, gibt folgerichtig auch niemand Kater oder Katze in Pflege.

Seit 2015 ist die gelernte Wirtschaftskauffrau selbstständig. Zuvor arbeitete sie fast 25 Jahre als Angestellte bei einer Krankenversicherung. Um ihre Passion für Katzen zum Beruf zu machen, kauften sie und ihr Lebensgefährte das im 19. Jahrhundert errichtete Anwesen in Mechelgrün. Im Obergeschoss ihres Wohnhauses sowie im Anbau gibt es dort auf einer Gesamtfläche von 250 Quadratmetern Auslauf für die Katzen; auch ein Quarantäneraum steht zur Verfügung. Und das Geschäft lief gut an. Ihre Kunden kommen zu zwei Drittel aus dem Vogtland, der Rest verteilt sich auf andere Regionen Sachsens, auf Thüringen und Bayern. Ihr Vorteil sei, sagt Kerstin Queck, dass sie ausschließlich Katzen aufnehme. Häufig betreuen Tierpensionen mehrere Haustierarten, doch bisweilen reagierten Katzen nach ihren Worten sensibel, wenn zum Beispiel Hunde den gesamten Tag über im Haus bellen. Bis zu zehn Katzen betreut sie durchschnittlich am Tag, “wenn es normal läuft”, wie Kerstin Queck berichtet. Doch normal läuft seit Ausbruch der Pandemie nichts mehr im Katzenhotel – wie an vielen Stellen des wirtschaftlichen Lebens. Wie die 55-Jährige weiter berichtet, seien ihr schon im Frühjahr sämtliche Einnahmen weggebrochen. “Alle mussten ihren Urlaub stornieren”, sagt sie. Im Juni sei das Geschäft langsam wieder angelaufen, doch selbst während der Sommerferien lag die Auslastung bei höchstens 80 Prozent der Vorjahre. Als Grund hat sie ausgemacht, dass viele ihrer Kunden nur einen Kurzurlaub gebucht hatten. Eine Woche Ostsee statt drei Wochen Türkei, sagt sie, entsprechend weniger Bedarf gab es für die Betreuung der Haustiere. Den Umsatzrückgang beziffert sie auf 60 Prozent im Vergleich zu 2019.

Ab dem Frühjahr hat sie Überbrückungshilfen beim Freistaat angefordert. Doch abrechnen können habe sie lediglich die Fixkosten ihres kleinen Ein-Frau-Unternehmens – Heizung, Strom, Wasser, Versicherung, Müll. Für sie selbst, für die Beiträge ihrer Krankenversicherung und ihre Lebenshaltungskosten habe es keinen Cent gegeben, sagt Kerstin Queck. Wäre ihr Lebensgefährte nicht gewesen, sie hätte Hartz-IV beantragen müssen – so wie viele andere Solo-Selbstständige es auch tun mussten.

Am gegenwärtigen Lockdown ärgert sie, dass andere Branchen einen Teil ihres vorjährigen Umsatzes vom Staat ersetzt bekommen, andere Selbstständige aber nicht. Ungerecht nennt sie das. “Ich falle durch alle Raster”, so Queck. Im Prinzip bestätigen das auch die Behörden, Ministerien sowie die Industrie- und Handelskammer. Die Wirtschaftshilfe des Bundes unterstützt Unternehmen, Betriebe, Selbstständige, Vereine und Einrichtungen, “deren Betrieb aufgrund der zur Bewältigung der Pandemie erforderlichen Maßnahmen temporär geschlossen wird”, heißt es auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Sächsische Wirtschaftsministerium in Dresden räumt immerhin ein, dass die gegenwärtig geltenden Voraussetzungen für die Gewährung von Beihilfen nicht unproblematisch sind. “Es ist uns durchaus bewusst, dass Betreiber von Tierpensionen erhebliche Umsatzeinbrüche erleiden, auch wenn sie von Schließungen nicht betroffen sind”, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Kerstin Queck nützen solche Bekenntnisse wenig. Sie wisse nicht, sagt sie, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll. Ihr Geschäft hänge am seidenen Faden. “Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.”



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